Waldkräuter das ganze Jahr sammeln! Monat-für-Monat Kalender mit optimalen Sammelzeiten, Lagertipps und saisonalen Highlights. Dein Sammeljahr-Guide!
Der Wald ist eine Schatzkammer, die sich das ganze Jahr über für Sammler öffnet – wenn du weißt, wann welche Pflanzen ihre beste Zeit haben. Jede Jahreszeit bietet ihre eigenen botanischen Schätze, von den ersten zarten Trieben im Frühjahr bis zu den kraftvollen Wurzeln im Spätherbst. Mit diesem Sammelkalender verpasst du nie wieder die optimale Erntezeit für deine liebsten Waldkräuter.
Inhalt
Warum der richtige Zeitpunkt entscheidend ist
Pflanzen verändern ihre Inhaltsstoffe je nach Jahreszeit und Wachstumsphase dramatisch. Ein Brennnesselblatt im Mai enthält völlig andere Konzentrationen an Vitaminen und Mineralstoffen als dasselbe Blatt im September. Junge Triebe sind meist zarter und vitaminreicher, während Wurzeln im Herbst ihre höchste Konzentration an Wirkstoffen erreichen.
Der Sammelzeitpunkt beeinflusst nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch Geschmack und Verträglichkeit deiner Waldkräuter. Wer zur richtigen Zeit sammelt, bekommt nicht nur die beste Qualität, sondern schont auch die Natur, da Pflanzen zu bestimmten Zeiten besser regenerieren können.
Das Sammeljahr im Überblick
- Frühjahr (März-Mai): Zeit der ersten Triebe und zarten Blätter
- Frühsommer (Juni-Juli): Blütezeit und Sammelzeit für Blüten
- Hochsommer (August): Kräuter und Samen in voller Kraft
- Herbst (September-November): Früchte, Wurzeln und Wintervorrat
- Winter (Dezember-Februar): Nadeln, Rinde und Winterknospen
Frühling (März – Mai): Das große Erwachen
Der Frühling ist die aufregendste Zeit für Kräutersammler. Die Natur erwacht, und überall sprießen frische, vitaminreiche Triebe aus dem Boden. Diese ersten Pflanzen des Jahres sind besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen – perfekt für eine natürliche Frühjahrskur.
März: Die ersten Pioniere
Brennnesseln (erste junge Triebe) Die ersten zarten Brennnesselspitzen erscheinen oft schon im März. Sie sind jetzt besonders mild und vitaminreich. Sammle nur die obersten 10-15 cm der jungen Triebe, wenn sie noch keine Härchen haben, die richtig brennen.
Vogelmiere Diese unscheinbare Pflanze ist einer der ersten grünen Vitaminlieferanten des Jahres. Du erkennst sie an den kleinen weißen Sternblüten und dem charakteristischen Strich weißer Härchen am Stängel.
Gänseblümchen Die robusten kleinen Blüten überstehen oft den Winter und sind im März in voller Pracht. Sowohl Blüten als auch Blätter sind essbar und reich an Vitamin C.
Sammeltipp für März: Die Pflanzen sind noch klein und zart. Sammle vorsichtig und nur wenig, da die Pflanzen all ihre Energie für das Wachstum brauchen.
April: Der Vitaminschub
Birkenblätter (erste zarte Blätter) Wenn die Birke ihre ersten kleinen, hellgrünen Blätter entfaltet, ist die beste Zeit für die Sammlung. Diese jungen Blätter sind noch nicht bitter und enthalten die höchste Konzentration an heilsamen Inhaltsstoffen.
Fichtentriebe (junge, hellgrüne Spitzen) Die hellgrünen, weichen Triebspitzen der Fichte sind jetzt perfekt. Sie enthalten das Maximum an Vitamin C und sind noch nicht harzig. Knipse nur die obersten 2-3 cm ab.
Löwenzahn (junge Blätter vor der Blüte) Löwenzahnblätter sind im April noch mild und nicht so bitter wie später im Jahr. Je jünger das Blatt, desto milder der Geschmack.
Giersch (erste Blätter) Die gefürchtete Gartenpflanze ist tatsächlich ein wertvolles Wildgemüse. Sammle die jungen, dreiteiligen Blätter, bevor sie zu groß und hart werden.
Mai: Die Blätterexplosion
Waldmeister (vor der Blüte) Waldmeister solltest du unbedingt vor der Blüte sammeln, da sich danach der Cumarin-Gehalt erhöht. Die charakteristisch duftenden Blätter findest du in schattigen Laubwäldern.
Bärlauch (Blätter vor der Blüte) Die Bärlauch-Saison ist kurz aber intensiv. Sammle die Blätter, solange sie noch nicht blühen, da sie danach bitter werden. Achte auf den typischen Knoblauchgeruch beim Zerreiben.
Spitzwegerich (junge Blätter) Die lanzettförmigen Blätter des Spitzwegerich sind jetzt besonders zart. Sie sind das perfekte „Notfallpflaster“ für unterwegs bei kleinen Schnitten oder Insektenstichen.
Sammeltipp für Mai: Das ist die Haupterntezeit für Blätter. Die Pflanzen haben jetzt ihre volle Kraft, sind aber noch zart genug für die Küche.
Frühsommer (Juni – Juli): Die Zeit der Blüten
Der Frühsommer steht ganz im Zeichen der Blüten. Viele Heilpflanzen entwickeln jetzt ihre charakteristischen Blütenstände, die oft die höchste Konzentration an ätherischen Ölen und anderen Wirkstoffen enthalten.
Juni: Erste Blütenpracht
Lindenblüten Der intensive, süße Duft der Lindenblüten erfüllt im Juni die Luft. Sammle die cremefarbenen Blütendolden mit dem charakteristischen Hochblatt am frühen Morgen, wenn der Tau getrocknet ist.
Holunderblüten Die großen, weißen Blütendolden des Holunders sind im Juni perfekt. Sie sollten frisch aufgeblüht und noch nicht braun sein. Am besten schmecken sie, wenn du sie sofort verarbeitest.
Rosenblüten (wilde Heckenrose) Die einfachen, rosa Blüten der Wildrosen sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch essbar und heilkräftig. Sammle sie am Morgen, wenn sie gerade aufgeblüht sind.
Johanniskraut (Knospen und erste Blüten) Um die Johannisnacht (24. Juni) beginnt das Johanniskraut zu blühen. Die gelben Blüten und oberen Pflanzenteile sammelst du am besten bei trockenem, sonnigem Wetter.
Juli: Hochsaison der Blüten
Kamille (Blüten) Die echte Kamille blüht im Juli in voller Pracht. Du erkennst sie am charakteristischen Duft und den weißen Blütenblättern um die gelbe, kegelförmige Mitte.
Schafgarbe (Blüten und obere Blätter) Die weißen bis rosa Blütendolden der Schafgarbe sind jetzt perfekt. Die gefiederten Blätter kannst du das ganze Jahr sammeln, aber zur Blütezeit sind sie besonders kraftvoll.
Lavendel (Blüten) Auch wenn Lavendel nicht heimisch ist, wächst er in vielen Gärten. Die violetten Blütenähren sammelst du am besten kurz vor der vollen Blüte.
Sammeltipp für Sommer: Sammle Blüten immer bei trockenem Wetter und nach dem Tau. Die beste Zeit ist zwischen 10 und 15 Uhr, wenn die ätherischen Öle ihre höchste Konzentration haben.
Hochsommer (August): Kräuter in voller Kraft
Im August erreichen viele Kräuter ihren Höhepunkt. Die Pflanzen haben jetzt die meiste Sonne getankt und ihre Wirkstoffe voll ausgebildet.
Oregano und Majoran (blühende Triebe) Die mediterranen Kräuter, die auch wild wachsen können, sind jetzt am aromatischsten. Schneide die oberen 15-20 cm der blühenden Triebe ab.
Beifuß (obere Triebe vor der Blüte) Beifuß ist ein kraftvolles Heilkraut, das im August gesammelt wird. Die silbrig-grünen Blätter haben jetzt ihre höchste Wirkstoffkonzentration.
Thymian (blühende Zweige) Wilder Thymian (Quendel) wächst auf trockenen, sonnigen Standorten. Die kleinen rosa Blüten und die aromatischen Blätter sammelst du am besten zur Mittagszeit.
Herbst (September – November): Früchte und Wurzeln
Der Herbst ist die Zeit der Früchte und Wurzeln. Jetzt sammelt die Natur ihre Kräfte für den Winter, und viele Pflanzen lagern ihre wertvollsten Inhaltsstoffe in Wurzeln und Früchten ein.
September: Erste Früchte
Hagebutten (erste reife Früchte) Die roten Früchte der Wildrosen sind ab September reif. Sie sollten rot, aber noch fest sein. Sammle sie nach dem ersten Frost, dann sind sie süßer.
Weißdornfrüchte Die kleinen, roten Früchte des Weißdorns sind ab September reif. Sie sind ein wertvolles Herzstärkungsmittel und schmecken leicht mehlig-süß.
Sanddornbeeren Die orangenen, säuerlichen Beeren sind extrem vitamin-C-reich. Sammle sie mit einer Schere, da sie sehr fest am Zweig sitzen.
Oktober: Haupterntezeit für Früchte
Hagebutten (Haupternte) Oktober ist die Hauptsammelzeit für Hagebutten. Nach den ersten Frösten sind sie weicher und süßer. Sammle nur unbeschädigte, feste Früchte.
Eicheln Frische, noch nicht wurmstichige Eicheln kannst du zu nahrhaftem Mehl verarbeiten. Sie müssen allerdings wegen der Bitterstoffe gründlich gewässert werden.
Bucheckern Die kleinen, dreieckigen Nüsse der Buche sind sehr nahrhaft. Sammle sie frisch gefallen, bevor sie ranzig werden.
November: Zeit der Wurzeln
Löwenzahnwurzel Im Herbst ziehen sich alle Nährstoffe in die Wurzel zurück. Löwenzahnwurzel ist jetzt besonders reich an Inulin und Bitterstoffen.
Klettenwurzel Die großen Wurzeln der Klette werden im ersten Herbst gesammelt, bevor die Pflanze blüht. Sie sind besonders heilkräftig für Haut und Verdauung.
Beinwellwurzel Die dicken, schleimigen Wurzeln des Beinwell sind im Herbst am wirkstoffreichsten. Sie helfen bei Verletzungen und Entzündungen.
Sammeltipp für Herbst: Wurzeln immer bei trockenem Wetter graben. Gründlich waschen, aber nicht schälen, da direkt unter der Rinde die meisten Wirkstoffe sitzen.
Winter (Dezember – Februar): Nadeln, Rinde und Knospen
Auch im Winter bietet der Wald wertvolle Sammelmöglichkeiten. Jetzt sind Nadeln, Rinde und Knospen an der Reihe.
Dezember – Februar: Wintersammlung
Fichten-, Tannen- und Kiefernadeln Nadelbäume kannst du das ganze Jahr besammeln, aber im Winter haben die Nadeln oft die höchste Konzentration an ätherischen Ölen. Sie sind perfekt für immunstärkende Tees.
Birkenknospen Die harzigen Knospen der Birke sammelst du im späten Winter, bevor sie aufbrechen. Sie sind besonders wirksam bei Rheuma und Hautproblemen.
Schwarze Johannisbeerknospen Falls du Zugang zu Johannisbeersträuchern hast, sind die Knospen im Winter sehr aromatisch und heilkräftig.
Fichtenharz An verletzten Stellen scheidet die Fichte Harz aus, das du vorsichtig sammeln kannst. Es wirkt antibakteriell und wundheilend.
Praktische Sammeltipps für jede Jahreszeit
- Frühjahr: Sammle am frühen Morgen, wenn die Pflanzen noch vom Tau feucht sind. Die Kraft steigt jetzt von den Wurzeln in die Blätter.
- Sommer: Die beste Zeit für Blüten ist zwischen 10 und 15 Uhr bei trockenem, sonnigem Wetter. Vermeide die Mittagshitze.
- Herbst: Früchte am besten nach dem ersten Frost sammeln, Wurzeln bei abnehmendem Mond und trockenem Wetter graben.
- Winter: Nadeln und Rinde kannst du auch bei Frost sammeln, aber achte darauf, dass die Pflanzen nicht zu gestresst sind.
Lagerung nach Jahreszeiten
- Frühjahrssammlung: Meist frisch verwenden oder schonend bei niedriger Temperatur trocknen.
- Sommersammlung: Blüten kopfüber in Bündeln aufhängen, Kräuter auf Gittern ausbreiten.
- Herbstsammlung: Früchte oft frisch verarbeiten, Wurzeln gründlich reinigen und in Scheiben geschnitten trocknen.
- Wintersammlung: Nadeln und Rinde an der Luft trocknen, Knospen in kleinen Mengen sammeln und schnell trocknen.
Dein persönlicher Sammelplan
Erstelle dir einen persönlichen Kalender mit den Pflanzen, die in deiner Region wachsen. Notiere dir die besten Fundstellen und führe ein Sammeltagebuch. So entwickelst du über die Jahre ein Gespür für die optimalen Sammelzeiten in deiner Umgebung.
Beginne mit wenigen, leicht zu erkennenden Pflanzen und erweitere dein Repertoire nach und nach. Die Natur hat das ganze Jahr über Geschenke für uns bereit – wir müssen nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
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Fotos: AI