Forest Therapy Trail Diary: Im Winterwald am Wörthersee

Die einen schreiben ein Baustellentagebuch. Ich ein Trail Diary. Kommt mit in den Winterwald rund um den Forest Therapy Trail am Wörthersee im Feber.

Vor ein paar Tagen war ich mit meinen beiden Zwergziegen Speedy und Snoppy schon am Forest Therapy Trail unterwegs. Knackig-grüne Brombeerblätter wurden weg schnabuliert. Ein Festmahl!

Jetzt hat uns ein Italientief eingeholt und alles ist weiß.

Speedy und Snoopy verkrochen sich wieder in ihrem Stall, und ich vor dem Bildschirm. Ein großer Teil meiner Ausbildung zum Forest Therapy Guide findet online statt. Pro Woche sind das im Schnitt acht bis zehn Stunden. Dazu kommen Ausflüge nach Draußen und Aufgaben, die zu erledigen sind. Kurzum. Es geht viel Zeit drauf, die mir woanders fehlt. Trotzdem weiß ich seit dem ersten Tag an, das ist das Richtige. Die Ausbildung bei ANFT hat mich sofort abgeholt und mit jedem Mal komme ich mehr ins Spüren. Mit meinem Trail-Diary nehme ich euch mit auf dem Weg und erzähle von meinen Erfahrungen.

Anita Arneitz Forest Therapy Trail
Anita Arneitz Forest Therapy Trail

Erster Forest Therapy Walk im Winter: Alleine im Wald

Bei unserem ersten gemeinsamen Forest Therapy Walk hatte es draußen zweistellige Minusgrade. Es war eisig. Es war kalt. Trotzdem suchte ich mir einen Sit Spot auf meinem Forest Therapy Trail. Gute Dienste hat dabei ein Sitzpolster für Jäger erwiesen. So machten Schnee und Nässe nichts aus. Handwärmer sorgten für warme Finger und Tee für Wärme von Innen. Ich setzte mich hin und kam an. Im Projekt. Im Wald. Bei mir. Einmal mehr wurde mir bewusst, den Weg hat mir die Natur aufgezeigt.

Als ich da alleine im Wald auf einem alten Baumstumpf saß, erwartete ich nicht viel von der Natur. Alles ist im Winterschlaf. Die Dämmerung kroch zwischen den Bäumen durch. Es war still. Doch irgendwann röhrte ein Rehbock. Ich sah auf und ein Vogelschwarm zog seine Kreise über mir. In der Ferne krächzte eine Krähe und der Habicht flog vorbei. Ich war überrascht. Von der Lebendigkeit des Waldes im Winter. Es wurde dunkel. Ich saß noch immer da. Umgeben von den Bäumen. Mit einem Gefühl von Frieden und Dankbarkeit.

Die Natur im Winter zu spüren ist anders.

Abseits der idyllischen Schneelandschaften muss man genauer hinsehen. Dann wirken die Bäume nicht knorrig und braun. Dann zeigen sich die ersten Knospen. Ein kleines Grün. Die Strukturen der Flechten. Die Wurzeln. Das Harz. Die Kräfte sammeln sich. Eine Teilnehmer:in hat erzählt, dass sie das erste Mal bewusst den Schnee von Bäumen fielen hörte. Eine andere freute sich über den Regen.

Wie erlebst du den Wald und die Natur jetzt im Winter?

Forest Therapy Winter Kärnten

In den ersten Wochen der Ausbildung saugte ich wie ein Schwamm Theorie und Wissen rund um Forest Therapy auf. Einen kleinen Teil davon, habe ich schon hier geteilt. Es gibt so unheimlich viel an Wissen und es tut sich so viel in so kurzer Zeit. Ich brauche der KI keine Konkurrenz zu machen. Ich brauche keine Therapeutin sein. Ich brauche nur auf die Natur zu vertrauen. Der Wald ist der Therapeut.

Mit meinem Forest Therapy Trail kann ich eine Tür und einen Raum öffnen. Alles andere braucht Vertrauen und Offenheit. Ich höre die Stories und denke über meine eigene nach. Ohne mein Gehirn zu überfordern. Die Natur ist meine Ressource.

Obwohl es in den vergangenen Wochen so viele Deadlines gegeben hat, ist der Leistungsdruck weg gefallen.

Ich weiß nicht wohin der Weg führen wird, aber es wird gut.

Die ersten Lkw haben ihre Paletten bereits im Hof abgeladen. Einen Forest Therapy Trail zu eröffnen ist das eine. Infrastruktur rundherum zu schaffen eine andere. Während Barbara und ich den Trail fachlich planen, seitenweise Zertifizierungsformulare ausfüllen und Dinge organisieren, wird an anderer Stelle schon zusammen geschraubt und vorbereitet. Es steckt so viel Arbeit in dem Projekt. Aber es wächst. Es verbindet sich. Es fügt sich zusammen. Danke an alle, die das ermöglichen.

Heute hatte ich ein langes Vernetzungstelefonat mit jemanden, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. Dabei wurde mir bewusst: Es ist unmöglich alle Bücher zu kennen, alle Studien zu lesen. Aber möglich ist es, so oft wie möglich hinaus zu gehen. Und zwar in seinem eigenen Tempo.

Get back to nature. Ich verstehe langsam die Langsamkeit.

Mehr über Forest Therapy am Wörthersee:

Fotos: Anita Arneitz

 

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