Wie erkennst du gute Qualität bei ätherischen Ölen? Duftexpertin Kandria Jupiter verrät im Interview Prüftricks & sichere Anwendung.
Die Flasche ist klein, dunkel, fast unscheinbar. Und trotzdem hält Kandria Jupiter sie vor die Kamera, als würde sie mir gerade etwas sehr Kostbares zeigen. Ich habe Kandria zu einem Videogespräch für den Kräuter-Kreativ-Kongress eingeladen, weil mich ein Thema seit Langem beschäftigt: Warum riechen manche ätherischen Öle nach frisch gepflückten Kräutern und andere nach gar nichts Echtem? Kandria beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Düften und ätherischen Ölen und ist seit drei Jahrzehnten Expertin für die Ölmischungen der Marke Aurelia. Genug Erfahrung, um mir vielleicht ein paar Antworten zu geben.
Inhalt
Kurz zusammengefasst
- Der Begriff „ätherisches Öl“ ist rechtlich nicht geschützt – Qualitätsunterschiede sind riesig
- Ein einfacher Riechtest verrät dir viel über die Reinheit deines Öls
- Ätherische Öle richtig anwenden: verdünnt, nie schlucken, Augenkontakt vermeiden
Vom Bürojob zur Duftexpertin
Kandrias Weg zu den ätherischen Ölen war kein geradliniger. Auf meine Frage, wie sie zu diesem Thema gefunden hat, erzählt sie: „Ich bin eigentlich wie die Jungfrau zum Kind dazugekommen. Meine beste Freundin hat vor vielen Jahren angefangen, ätherische Öle zu verwenden, und ich fand das auch ganz toll. Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Ecke – ich habe BWL studiert, Fachrichtung Touristik, war in dem Bereich tätig und war todunglücklich.“ Der berufliche Bruch kam, als sie gekündigt wurde – für sie gleichzeitig Schock und Erleichterung. Danach stellte sie sich eine Frage, die vieles ins Rollen brachte:
„Ich hab mir die Frage gestellt: Was würde ich tun, wenn ich eine Million hätte? Und da ist wirklich diese Idee in mich gefallen, dass ich diese Öle, die ich damals kannte, nach Deutschland importiere und hier unter die Menschen bringe. Das hat mich erfüllt. Und jetzt mach ich das schon 30 Jahre.“ Kandria Jupiter
Aus einer kleinen Idee wurde über drei Jahrzehnte ein ganzes Berufsleben, ohne, dass sie es je auf den schnellen Erfolg angelegt hätte, wie sie im Gespräch betont.
Warum „ätherisches Öl“ nicht gleich „ätherisches Öl“ ist
Auf meine Frage, was das Besondere an ätherischen Ölen für sie ist, kam Kandria schnell auf einen Punkt, der ihr sichtlich wichtig ist: „Das Wort ätherisches Öl ist rechtlich nicht geschützt. Wenn natürliches ätherisches Öl auf der Flasche steht, kann alles Mögliche drin sein, das nichts mit einem echten naturreinen ätherischen Öl zu tun hat. Wir vergleichen das immer gerne mit Weinen – vom billigen Fusel gibt’s da alles bis zum absoluten prämierten Spitzenwein.“
Das bedeutet: Auf einer Flasche kann „naturreines ätherisches Öl“ stehen, ohne dass wirklich ausschließlich naturreine Pflanzenessenz drin ist. Verdünnungen, synthetische Duftstoffe oder minderwertige Herkunft sind möglich, ohne dass das auf den ersten Blick erkennbar wäre.
Ich destilliere mein Öl und Hydrolat meistens selbst – Lavendel, Salbei, Minze, Lorbeer, Tanne, Fichte. Aber wenn ich ätherisches Öl kaufe, dann ganz bewusst und in guter Qualität.
Der einfache Test, den Kandria empfiehlt
Einen ganz konkreten Tipp hat mir Kandria mitgegeben, den ich seither selbst ausprobiert habe: den Riechtest. So beschreibt sie ihn: „Egal welches Öl man hat: einfach die Flasche öffnen, vor die Nase halten, Augen schließen und mit einem tiefen Atemzug über die Nase inhalieren, so weit es geht. Wenn das möglich ist, ohne dass es in der Nase sticht oder die Nase sich reflexartig zumacht, hat man ein sicheres Zeichen für gute Qualität. Zieht sie sich zusammen, ist mit Sicherheit synthetisches Material dabei.“
Ich finde diesen Test ganz praktisch, weil er so einfach ist. Du brauchst kein Labor, nur deine eigene Nase und ein bisschen Aufmerksamkeit. Genau diese Art von Achtsamkeit begegnet mir auch beim Waldbaden immer wieder: Wenn du dir Zeit nimmst, wirklich hinzuriechen und hinzuspüren, nimmst du plötzlich Dinge wahr, die im hektischen Alltag verloren gehen.
Wie ätherische Öle sicher angewendet werden
Neben der Qualität war mir besonders das Thema Sicherheit wichtig, denn ätherische Öle sind hochkonzentriert und kein harmloses Wasser. Auf meine Frage, was man bei der Anwendung falsch machen kann, war Kandria klar: „Wichtig ist, dass die Mischungen bitte nicht eingenommen werden. Wenn wir das Öl riechen, hat es sofort eine Wirkung auf unseren Geist, auf unsere Emotionen. Wenn wir schlucken, haben wir kein Riechen mehr, dann ist nur eine körperliche Wirkung da, und die kann viel zu mächtig sein zum Einnehmen.“
Ein paar weitere Grundregeln:
- Nicht pur auf die Haut, wenn du Allergien, empfindliche oder sehr trockene Haut hast – lieber vorher verdünnt in einem Pflanzenöl testen.
- Augenkontakt vermeiden. Reine ätherische Öle können in den Augen brennen.
- Nicht schlucken. Ätherische Öle sind zum Riechen und für die äußere Anwendung gedacht, nicht zum Einnehmen – auch wenn manche Anbieter das inzwischen bewerben.
- Bei Kindern und Haustieren besonders vorsichtig und sparsam dosieren.
- Dunkel und gut verschlossen lagern. In Violettglas abgefüllte Öle sind vor Licht geschützt, dadurch bleiben sie, unverdünnt, erstaunlich lange haltbar.
Zur Haltbarkeit hatte Kandria übrigens eine schöne Anekdote parat:
„Ich hatte eine Kundin, die hat angerufen und gesagt: Ich hab bei euch vor 20 Jahren Öle bestellt, jetzt sind sie ausgegangen, ich hätte gern wieder welche. Und auf meine Nachfrage hat sie gesagt: Die waren super bis zum Schluss. Unverdünnt sind ätherische Öle unbegrenzt haltbar – man muss nur die Flasche gut zudrehen, damit nichts verdunstet.“
Rituale für die kalte Jahreszeit und nach Bewegung
Zwei Anwendungsfelder, die im Gespräch immer wieder aufkamen: die Zeit rund um Herbst und Winter und die Massage nach Sport oder Anstrengung. Kandria beschreibt, wie sie und viele ihrer Kund:innen die Öle in dieser Zeit einbauen: „Grad wenn Erkältungs- und Grippewellen sind, reibe ich mich damit verdünnt ein, das gehört bei mir einfach zur Routine, wenn ich merke, es kratzt ein bisschen im Hals. Ich hab da meine kleine Flasche eigentlich immer dabei, in der Handtasche, weil man unterwegs ja nie weiß.“
Bei Muskeln und Gelenken setzt sie auf die Kombination mit einem klassischen Pflanzenöl: „Bei Gelenken und Wirbelsäule ist ein Johanniskrautöl als Basisöl immer gut, idealerweise kaltgepresst. In Kombination mit den ätherischen Ölen verdünnt man das und trägt es dann nach dem Sport oder bei Verspannungen auf. Das ist bei uns ein ganz klassisches Ritual.“
Wichtig für dich zum Mitnehmen: Das sind Beschreibungen, wie Kandria und ihre Kund:innen die Öle in ihren Alltag einbauen, kein Ersatz und kein Nachweis dafür, dass die Öle eine Erkältung, eine Muskelverletzung oder eine Gelenkbeschwerde behandeln. Ob ein warmes Einreiben mit verdünntem Öl guttut, ist eine sehr persönliche Erfahrung, bei anhaltenden oder starken Beschwerden gehört die Abklärung immer in ärztliche Hände.
Wenn Düfte auf die Stimmung wirken
Auf meine Frage, was ihre Kund:innen am meisten nachfragen, erzählt sie von einer Mischung, die besonders oft zum Einsatz kommt, wenn der Schlaf nicht erholsam ist: „Immer mehr Menschen haben keinen erholsamen Schlaf mehr – sie schlafen vielleicht, aber wachen nicht mehr erholt auf. Diese Mischung hilft dabei, in einen tiefen, erholsamen Schlaf zu kommen, sodass man morgens wirklich erfrischt aufwacht.“
Und auch beim Thema unterdrückte Gefühle hat sie eine Haltung und einen passenden Duft: „Viele Dinge, die uns belasten, hängen mit unterdrückten Emotionen und nicht verarbeiteten Erlebnissen zusammen. Wenn man die Öle äußerlich anwendet, geht das Hand in Hand mit dem Unterbewusstsein – immer nur in kleinen Schritten, so viel, wie man gerade verarbeiten kann.“
Ob und wie stark Duft tatsächlich auf Schlaf und Stimmung wirkt, ist individuell sehr unterschiedlich – aber dass ein Ritual wie das bewusste Auftragen eines Duftes vor dem Schlafengehen beruhigend wirken kann, deckt sich mit dem, was ich auch von vielen Teilnehmerinnen meiner Kräuter- und Waldangebote höre: Rituale und bewusste kleine Pausen tun uns gut, ganz unabhängig davon, welches Produkt dabei zum Einsatz kommt.
Ein Hinweis, der mir wichtig ist
Kandria hat mir im Beitrag für den Kräuter-Kreativ-Kongress noch von vielen weiteren Anwendungsbereichen erzählt, die ihre Kund:innen an den Ölen schätzen. Ich habe mich bewusst auf die Themen Schlaf und Stimmung konzentriert, weil sich hier am ehesten zeigt, wie Menschen Düfte im Alltag als kleines Ritual nutzen.
Was ich an dieser Stelle klar sagen möchte: Ätherische Öle können eine schöne Ergänzung für dein Wohlbefinden sein, sie ersetzen aber keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, egal ob körperlich oder seelisch, ist der Weg zu einer Ärztin, einem Arzt oder einer Therapeutin immer der richtige erste Schritt.
Wo Düfte und Wald sich treffen
Erstaunlich wie viel unsere Nase eigentlich wahrnimmt, ohne dass wir es bewusst merken. Genau dieses Thema begegnet mir auch, wenn ich mit Gruppen am Wörthersee unterwegs bin. Beim Forest Therapy Trail geht es genau darum: bewusst wahrzunehmen, was der Wald an Düften, Geräuschen und Stimmungen zu bieten hat, ganz ohne Flasche, einfach direkt aus der Natur. Falls du das mal selbst erleben möchtest: Die aktuellen Forest Therapy Termine 2026 findest du auf meiner Seite. Vielleicht ist das ja dein nächster kleiner Ausflug zu dir selbst. Im Hofladen habe ich ein paar Aurelia Öle zum Schnuppern.
Ätherische Öle next level: Rabattcode und Infos für dich
Wenn du online mehr über die besonderen Öle erfahren möchtest, melde dich kostenlos zum Kräuter-Kreativ-Kongress an oder schau direkt bei der Webseite von Kandria vorbei.
Du kennst die Aurelia®-Öle noch nicht? Mit dem Rabatt-Code ANITAA10 erhältst du einmalig 10% Rabatt auf die Aurelia® Öle. (Spritz Aromatique und reduzierte Produkte sind vom Rabatt ausgeschlossen.)
Mein Fazit aus dem Gespräch
Bei Naturprodukten lohnt es sich, genau hinzuschauen, hinzuriechen und nachzufragen. Egal ob bei Wildkräutern, ätherischen Ölen oder beim nächsten Waldspaziergang. Falls du künftig keine Impulse rund um Kräuter, Düfte und Naturerlebnisse verpassen willst, trag dich gerne in meinen Newsletter ein.

Ich bin Anita
Kräuterpädagogin, Buchautorin & Journalistin am Wörthersee. Hier teile ich Kräuterwissen, Schreibimpulse und Naturerlebnisse – für ein Leben, das sich mehr nach dir anfühlt.