Eine Schneckenzucht mitten in Kärnten und Weinbergschnecken, die wie ein Waldspaziergang schmecken. Ich war dabei und berichte, was mich an diesem kulinarischen Comeback so fasziniert hat.
Schnecken essen? Da zieht sich vielen zunächst der Magen etwas zusammen. Ich kenne das Gefühl. Aber ich habe die erste Schneckenzucht Kärntens besucht und bin mit echtem Staunen nach Hause gefahren. Was diese kleinen Tiere kulinarisch leisten, wie nachhaltig ihre Zucht ist und warum sie gerade so ein Comeback feiern.

Inhalt
Die Schnecken vom Wörthersee
Das Gehege liegt mitten in der Kärntner Landschaft. Ich hatte keine Erwartungen, außer vielleicht ein bisschen Skepsis. Schnecken. Na gut. Die schleimen im Garten herum. In Wien werden sie schon lange gegessen. An mir sind sie vorüber gegangen. Und dann stehe ich vor diesen kleinen Tieren, die sich in aller Gelassenheit durch ihr Gehege bewegen, und merke: Ich werde gleich etwas Neues kosten. Etwas, das ich vorher nie wirklich in Betracht gezogen hätte.

Die erste Schneckenzucht Kärntens
Unweit des Wörthersees findet gerade ein bemerkenswertes Comeback statt. Weinbergschnecken – lange Zeit eher ein Kuriosum auf der Speisekarte als ein ernsthafter kulinarischer Kandidat – erleben eine Renaissance. Nicht nur als Delikatesse, sondern auch als nachhaltiges Lebensmittel mit echtem Potenzial.
Einmal im Monat finden Führungen statt. Wer Schnecken wirklich kennenlernen möchte – von der Zucht bis zur Verkostung – dem empfehle ich einen Besuch wärmstens. Telefonische Voranmeldung ist erforderlich.

Wie schmeckt eine Weinbergschnecke?
Das ist natürlich die entscheidende Frage. Ich war überrascht, wie schwer sie zu beschreiben ist. Die Konsistenz erinnert an einen Champignon: mild, fest, mit einem leichten Biss. Das Aroma waldig-herb. Als ob man einen Spaziergang durch feuchtes Herbstlaub kocht und ihn auf den Teller bringt. Mit Kräuterbutter und Knoblauch ist das durchaus ein klassisches Erlebnis. Aber auch mit Trüffelbutter oder Minzbutter.

Warum Schnecken gerade jetzt?
Schnecken ernähren sich vegetarisch. Sie brauchen wenig Platz, wenig Ressourcen und haben einen sehr kleinen ökologischen Fußabdruck. In einer Zeit, in der bewusste Ernährung immer wichtiger wird, passen sie fast ideal in moderne kulinarische Konzepte. Dazu kommen die Nährwerte: fettarm, reich an Protein, mit Omega-3-Fettsäuren. Für alle, die tierisches Eiweiß mit gutem Gewissen genießen möchten, sind Weinbergschnecken eine echte Option. Und der Beitrag zur regionalen Biodiversität? Auch der zählt.

Die Region – ein eigener Genuss
Der Wörthersee ist ohnehin eine Reise wert. Die kulinarische Vielfalt der Region – von herzhaften Käsnudeln bis zu raffinierten vegetarischen Gerichten – ist beeindruckend. Und inmitten dieser Tradition: die Schnecke, die leise Außenseiterin, die gerade zu einem kleinen Star wird. Und wir Kärntner überhaupt haben da so ein Ding mit der Kulinarik. Hochwertige Lebensmittel und gute Gerichte stehen über allem. Gutes Essen wird in keinem anderen österreichischem Bundesland so zelebriert wie bei uns.

Fazit: Was langsam wächst, hat Substanz
Die Schneckenzucht in Kärnten ist mehr als ein kulinarischer Geheimtipp. Sie steht für einen Umgang mit Natur und Essen, der nachhaltig, respektvoll und entschleunigt ist. Wenn du in Kärnten bist – ruf vorher an und besuche die Zucht. Ich verspreche dir: Du fährst mit mindestens einem überraschten Lächeln nach Hause. Und du musst keine Schnecken kosten. Allein sie zu beobachten entschleunigt.

FAQ Rund um Weinbergschnecken
Wo genau liegt die Schneckenzucht in Kärnten?
Die Zucht befindet sich unweit des Wörthersees, direkt in Krumpendorf. Für den genauen Standort und aktuelle Führungstermine bitte telefonisch anfragen – die Betreiber geben dir alle Infos direkt.
Wie melde ich mich zu einer Führung an?
Ausschließlich telefonisch. Die Führungen finden einmal im Monat statt, beinhalten eine Besichtigung des Geheges und eine Verkostung.
Sind Weinbergschnecken wirklich nachhaltig?
Ja. Sie ernähren sich vegetarisch, brauchen wenig Ressourcen und haben einen geringen ökologischen Fußabdruck. Im Vergleich zu anderen tierischen Proteinen sind sie ausgesprochen umweltfreundlich.
Wie werden die Schnecken typischerweise zubereitet?
Klassisch mit Kräuterbutter und Knoblauch. Aber auch Trüffelbutter, Minzbutter oder asiatisch inspirierte Zubereitungen funktionieren wunderbar. Die milde Aromatik der Schnecke lässt viel Spielraum.
Was ist das Besondere an Weinbergschnecken als Lebensmittel?
Fettarm, proteinreich, mit Omega-3-Fettsäuren und überraschend aromatisch. Sie bieten eine Alternative zu klassischen tierischen Proteinen, die kulinarisch und ökologisch überzeugt.
Fotos: Anita Arneitz