Nature Writing in Kärnten: Meine Keynote und mein Elfchen-Workshop bei WOMAN Kunst in Balance im Stift Ossiach.
Inhalt
Nature Writing in Kärnten: Was der Wald im Stift Ossiach geflüstert hat

Das Plätschern der Wasserharfe. Die letzten Lavendelblüten im Wind. Das leise Kratzen von Stiften auf Papier. Lachen im Hintergrund. Dankbare Herzen.
So klingt meine Erinnerung an diesen Sonntag im Oktober. Das Stift Ossiach lag in goldenem Herbstlicht, der Ossiacher See glitzerte hinter den alten Mauern, und überall waren Frauen unterwegs, die sich einen Tag nur für sich geschenkt hatten.
Das Frauenmagazin WOMAN hatte gemeinsam mit der Kärnten Werbung zum Festival „Kunst der Balance“ eingeladen. Das Motto: Whispers of Nature. Das Flüstern der Natur. Und ich durfte mittendrin sein. Mit einer Keynote auf der Bühne und einem Workshop, in dem wir der Natur genau dieses Flüstern abgelauscht haben. Davon möchte ich dir heute erzählen.

Kurz zusammengefasst
- Beim Festival „Kunst der Balance“ im Stift Ossiach durfte ich eine Keynote und einen Workshop zu Nature Writing halten.
- Schreiben in der Natur ist für mich aktive Meditation: Es baut Stress ab, öffnet neue Blickwinkel und erdet.
- Im Workshop sind kleine Elfchen entstanden.
- Vier Mini-Rituale für deinen Alltag, von der Naturpause bis zur Abendliste für besseren Schlaf.
- Weiterschreiben kannst du im Wald: am Forest Therapy Trail am Wörthersee und beim Rauhnächte-Schreibretreat.
Zurück an einem vertrauten Ort

Das Stift Ossiach ist für mich kein fremder Ort. Hier habe ich in den vergangenen Jahren viele Schreibwerkstätten gehalten. Als ich auf die Bühne trat, sah ich ein paar vertraute Gesichter im Publikum. Das hat mein Herz sofort ruhiger schlagen lassen.

Und ich gebe es zu: Ein bisschen musste ich schmunzeln. Ich bin jetzt seit über 25 Jahren Journalistin, Buchautorin und Schreibtrainerin. Und trotzdem habe ich Power-Point-Präsentationen immer gehasst. Meine Folien für diesen Tag habe ich deshalb mit KI gestaltet. Für Folien ist sie wunderbar. Für das Schreiben, das uns guttut, bleibe ich beim Stift. Weil Schreiben mit der Hand so viel mehr kann als nur schöne Worte am Papier.

Ein Festival, das leise spricht
Was mich an diesem Tag berührt hat, war die Mischung und die großartige Stimmung. Auf der Bühne ging es um Gefühle, um das Nervensystem, um Gelassenheit und Gesundheit. Draußen und drinnen gab es Workshops zum Mitmachen. Dazwischen Gespräche bei Kaffee, ein Walk of Brands und dieses besondere Summen, wenn viele Menschen gleichzeitig zur Ruhe kommen. Ich habe so viele tolle Frauen kennen gelernt und so viele tolle Frauen wiedergesehen.

Zwei Workshops haben mich besonders angesprochen, weil sie so nah an meiner eigenen Arbeit sind:
• Sound Walk mit Barbara Wiegele (Berg Baum Blume): ein Spaziergang im Auwald neben dem Stift, ganz im Sinne der beziehungsorientierten Waldtherapie. Slow down and regenerate.
• Land Art mit Barbara Weitzenböck (nartura): gemeinsam ein Werk aus Naturmaterialien gestalten und dabei die eigene Kreativität spielen lassen.

Hören, gestalten, schreiben. Drei Wege, die alle zum selben Ort führen: zurück zu dir selbst.
Diese Stimmen waren mit mir auf der Bühne
Ich habe mich sehr gefreut, Teil dieses Programms zu sein. Hier stelle ich dir die anderen Speakerinnen und Speaker kurz vor:
- Lukas Klaschinski, Psychologe, Autor und Moderator: ein interaktiver Talk darüber, wozu wir Gefühle brauchen und wie wir besser Zugang zu ihnen finden.
- Jenny Jürgens, Schauspielerin, Moderatorin und Fotografin: Initiatorin von „Herzwerk“, einer Initiative gegen Altersarmut. Offen, bodenständig und emphatisch waren ihre Einblicke. 2027 im Frühling eröffnet in Klagenfurt das Udo-Jürgens-Museums, dass sie unterstützt.
- Ida Marie Stoegerer, Coachin und Autorin von „Der Schatz der Frauen“: über Selbstführung und darum, warum Frauen aus der Balance geraten.
- Stefan Maiwald, Bestsellerautor und Podcaster („Radio Adria“): über mediterrane Gelassenheit, bekannt aus seinem Buch „Espresso unter Sternen“.
- Dominique Scharax, Expertin für ganzheitliche Gesundheit und Autorin von „Stark war ich lange genug“: Nervensystem, Breathwork und Bewegung für den Alltag.
- Ruth Biallowons, Fachärztin und Podcasterin („Unheilbar Gesund“): Pionierin der Funktionellen Regulationsmedizin.
- Jennifer Davison und Bea Robein, die „ArtWave Divas“: Opernsängerinnen und Arts-and-Health-Expertinnen mit einer interaktiven Keynote voller Alltagstools. Ich bin mir sicher, dass wir uns in Sachen Mental Health und Kreativität in Zukunft wieder begegnen werden.
So viele unterschiedliche Zugänge. Und doch ging es bei allen um die gleiche Sehnsucht: wieder in Balance zu kommen.

Natur, Stift und Papier: Meine Keynote
Natur, Stift und Papier begleiten mich, seit ich denken kann. Als Kind habe ich gelesen, geschrieben, gemalt und war am liebsten draußen. Meine Oma hat Kräuter gesammelt. Für mich war es ganz selbstverständlich, dass Natur und Kreativität zusammengehören.

In meiner Keynote habe ich erzählt, wie sich mein Zugang zum Schreiben verändert hat. Der perfekte Text und der nächste Literaturpreis haben für mich längst an Bedeutung verloren. Mich fasziniert der Prozess. Das, was beim Schreiben in dir passiert.
Viele haben beim Wort „Schreiben“ sofort die Schulaufsätze von früher im Kopf. Rote Korrekturen. Den Gedanken „Ich bin doch keine Geschichtenerzählerin“. Genau diese Last darfst du beim Nature Writing ablegen.
Nature Writing ist für mich eine Form der aktiven Meditation.
Du schreibst in der Natur, inspiriert von der Natur und mit ihr. Und das kann dir drei Dinge schenken:
- Stress abbauen: Schreiben im Grünen entspannt tief. Dafür brauchst du keine Gipfeltour.
- Perspektiven wechseln: Routinen brechen auf, neue Blickwinkel tauchen auf.
- Persönlichkeit entfalten: Wer Naturerlebnisse aufschreibt, verarbeitet sie und lernt sich selbst besser kennen.
Ein Satz aus meiner Präsentation hat viele Frauen im Saal nicken lassen: Der Wald erzählt seine Geschichten nicht laut. Du darfst stehen bleiben, still werden und hinhören. Das Schreiben hilft dir dabei.

Vom Wald ins Notizbuch: Forest Therapy und Schreiben
Bei uns zu Hause in der Kräuterlei am Wörthersee gibt es einen besonderen Ort dafür: den ersten zertifizierten Forest Therapy Trail Österreichs. Vor uns hat New York einen eröffnet, nach uns Singapur. Und dazwischen liegt Schiefling am Wörthersee. Auf dem Trail aktivierst du deine Sinne. Sehen, Hören, Fühlen, Riechen. Diese gesammelten Eindrücke fließen dann ganz von selbst aufs Papier. Der Wald wird so zu deinem Notizbuchfutter und zu deinem aktiven Büro.
Mein Schreibprozess folgt dabei einem natürlichen Rhythmus:
1. Eintauchen: den Naturraum betreten und langsamer werden.
2. Wahrnehmen: kleine Details und sinnliche Reize entdecken.
3. Still werden: den Lärm im Kopf ausblenden und lauschen.
4. Schreiben: das Erlebte ohne Filter aufs Papier bringen.
Diese Stille lässt sich üben, auch wenn es rundherum laut ist.
In der Woche vor dem Festival war ich mit einem Firmenteam in einem kleinen Park neben dem Betriebsgelände. Nebenan rauschten die Autos auf der Autobahn vorbei. Und trotzdem haben wir die Vögel gehört, das Summen der Bienen, den Wind in den Brennnesseln. Der Wald ist manchmal näher, als du denkst.
Wenn du mehr über die Hintergründe lesen magst, findest du in meinem Beitrag zu den Studien rund um Forest Therapy einen schönen Überblick.

Kleine Rituale, große Wirkung: Was die Forschung sagt
Alles, was ich auf der Bühne erzählt habe, hat eine wissenschaftliche Basis. Drei Studien haben mich besonders begeistert:
- Besser schlafen: Wer sich vor dem Zubettgehen fünf Minuten Zeit nimmt und die To-do-Liste für den nächsten Tag aufschreibt, schläft schneller ein als Menschen, die über bereits Erledigtes schreiben (Scullin et al., 2018). Ich nenne das die mentale Waagschale der Nacht. Du legst die Last aufs Papier und nimmst sie nicht mit in den Schlaf.
- Mehr Resilienz: Zwölf Wochen Journaling über positive Erlebnisse senkten bei stark beanspruchten Menschen psychische Belastung und Ängste deutlich (Smyth et al., 2018).
- Mehr Optimismus: Wer regelmäßig notiert, wofür er dankbar ist, fühlt sich messbar wohler (Emmons & McCullough, 2003).
Ich habe die Abendliste selbst ausprobiert. Seitdem schreibe ich mir jeden Abend meine Pläne für den nächsten Tag auf. Und ja, es ist wirklich ruhiger geworden in meinem Kopf.
Auch das gute alte Kritzeln hat seinen Platz. Wer beim Telefonieren oder Zuhören nebenbei kritzelt, merkt sich mehr. Im Studium habe ich alles mitgeschrieben und wusste später genau, auf welcher Seite mit welchem Stift etwas stand. Mehr zu dieser Kraft der Hand findest du in meinem Beitrag Handschrift vs. KI.

Mein Workshop: Was flüstert …?
Nach der Theorie kam das Tun. Im Workshop haben wir das Festivalmotto wörtlich genommen und gefragt: Was flüstert dir die Natur zu?
Die Antwort haben wir in eine ganz kleine Form gegossen: das Elfchen. Ein Gedicht aus genau elf Wörtern, verteilt auf fünf Zeilen. Es ist so kurz, dass das leere Blatt seinen Schrecken verliert. Und so dicht, dass jedes Wort zählt.
Vielleicht magst du das Elfchen gleich heute ausprobieren. Auf dem Balkon, im Garten oder bei einem Spaziergang am Waldrand.
- Lauschen: Schließ die Augen. Was hörst, riechst und fühlst du? Lass dich von einer Sache finden. Einem Blatt, einem Vogelruf, dem Duft von feuchter Erde.
- Zählen: Schreib dein Elfchen und zähle nach: 1, 2, 3, 4, 1. Sind es genau elf Wörter?
- Flüstern: Lies dein Elfchen ganz leise vor. Nur für dich. Du wirst staunen, wie viel in elf Wörtern Platz hat.
Einige der Workshopteilnehmerinnen haben ihr Elfchen vorgelesen. Berührend. Wertschätzend. Erdend. Der Workshop war nur kurz, aber Stift Ossiach ist einfach ein wunderschöner Schreibort.

Vier kleine Einladungen für deinen Alltag
Drei Stunden auf dem Forest Therapy Trail passen nicht in jede Woche.
Diese kleinen Rituale schon:
- Die Naturpause: Verbringe 20 bis 30 Minuten an einem Ort, der sich für dich nach Natur anfühlt. Ob du sitzt, gehst oder schreibst, ist zweitrangig.
- Der Atemanker: Atme fünf Minuten lang so, dass dein Ausatmen spürbar länger dauert als dein Einatmen.
- Der Kräuterkick: Fehlen dir die Worte, reib ein Blatt Rosmarin oder Pfefferminze zwischen den Fingern. Das weckt besser als jeder teure Duft. Darum lag in den Goodie Bags auch ein Kräutertee von mir, für das nächste Nachmittagstief.
- Die Abendliste: Schreib vor dem Schlafengehen auf, was morgen ansteht. Und lass den Tag dann los.
Alles, was du dafür brauchst, ist dein Lieblingsschreibwerkzeug und der Weg nach draußen. Ich gönne mir gerne ein schönes Notizbuch und gute Stifte. Das macht so viel Freude und weckt das innere Kind. Plötzlich wird die Natur wieder lauter, wundersamer und voller Inspiration.

Falls du den Unterschied zwischen Nature Writing und klassischem Tagebuchschreiben genauer kennenlernen magst, lies gerne in meinem Beitrag Journaling vs. Nature Writing weiter.
Noch ein paar Einblicke vom Event
















Wie es weitergeht: Wald, Laternen und Rauhnächte
Ich bin mit vollem Herzen aus Ossiach heimgefahren. Danke an WOMAN Kunst in Balance und Kärnten Werbung für die Einladung und an alle, die zugehört, mitgeschrieben und geflüstert haben.
Wenn du Lust bekommen hast, selbst im Wald zu schreiben, gibt es in den nächsten Monaten ein paar schöne Gelegenheiten:
- Deine WaldAuszeit am Forest Therapy Trail: geführte Naturerlebnisse in der Kräuterlei am Wörthersee. Alle Daten findest du bei den Forest Therapy Terminen 2026.
- Laternenspaziergang mit Räuchern: Im Winter wird es bei uns stimmungsvoll. Vielleicht verbinde ich ihn auch mit dem Schreiben.
- Schreibretreat zu den Rauhnächten: Im Jänner schreiben wir gemeinsam im Naturhotel Alpenrose. Mit viel Natur, Kräutermagie und Frauenpower. Einstimmen kannst du dich schon jetzt mit meinen Schreibritualen für die Rauhnächte.

Falls du heute ein Elfchen schreiben magst, freu ich mich! Und falls nicht, genieße einfach das Flüstern draußen vor deinem Fenster.
Neue Termine und Schreibimpulse bekommst du zuerst in meinem Kräuterlei-Newsletter.
Viel Freude beim Schreiben und bis bald im Wald.

Ich bin Anita
Kräuterpädagogin, Buchautorin & Journalistin am Wörthersee. Hier teile ich Kräuterwissen, Schreibimpulse und Naturerlebnisse – für ein Leben, das sich mehr nach dir anfühlt.
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Alle Fotos: Woman Balance/Nicole Viktorik – herzlichen DANK!


