Wie ein Forest Therapy Trail entsteht: WaldAuszeit Weg

Wie entsteht ein Forest Therapy Trail? Barbara Wiegele erzählt, wie der WaldAuszeit Weg am Wörthersee zum achtsamen Waldort wurde.

🌿 Kurz zusammengefasst

  • Ein Forest Therapy Trail ist kein Wanderweg, sondern ein Ort, der zum bewussten Ankommen einlädt – gestaltet mit „Einladungen“, die deine Sinne öffnen.
  • Barbara Wiegele erzählt, wie aus einem stillen Moment im Wald die Idee zum WaldAuszeit Weg wurde – und was eine ANFT-Zertifizierung wirklich bedeutet.
  • Der WaldAuszeit Weg in Schiefling am Wörthersee ist rund 1 km lang, führt über 8 Stationen und lässt sich mit Audio-Guide oder Führung erkunden.

Wie alles begann

Viele Waldwege laden zum Gehen ein. Andere dazu, anzukommen.

Manchmal hat ein Wald selbst etwas zu sagen. Man muss nur lange genug bleiben, um es zu hören.

So begann auch die Geschichte des WaldAuszeit Weges.
Nicht bei einem Workshop.
Nicht an einem Besprechungstisch.
Sondern an einem stillen Platz im Wald.

Anita und ich saßen im weichen Moos. Um uns alte Bäume. Ein paar Regentropfen fielen durch die Kronen. Ameisen überall.

Eigentlich wollten wir nur über den Wald sprechen. Über unsere Beziehung zu ihm. Darüber, warum manche Orte uns tief berühren und wie die Natur unsere Gesundheit unterstützen kann.

Und irgendwann war sie einfach da.
Die Idee.

Heute sagen wir oft mit einem Augenzwinkern:
Nicht wir hatten die Idee – der Wald hatte sie.
Wir haben nur zugehört.

Wann wird aus einem Waldweg ein Forest Therapy Trail?

Es gibt unzählige Wege durch den Wald.
Manche führen zu einem Gipfel.
Manche laden zu einem Spaziergang ein.
Und manche dazu, anzukommen.

Nicht, weil sie spektakulärer wären.
Sondern weil sie dich einladen, ihnen anders zu begegnen.

Vielleicht gehst du zunächst so wie immer.
Schritt für Schritt.
Mit den Gedanken im Alltag.
Dann bleibst du stehen.

Nicht, weil du musst.
Sondern weil dir etwas auffällt.
Ein Blatt.
Ein Lichtstrahl.
Das Rauschen des Windes.

Plötzlich bemerkst du Dinge, die eben noch gar nicht da waren.
Aber sie waren da.
Nur deine Aufmerksamkeit war woanders.

Manche Wege helfen uns dabei, bewusster wahrzunehmen.
Solche Wege nennen wir Forest Therapy Trails.

Entspannen am Forest Therapy Trail am Wörthersee
Entspannen am Forest Therapy Trail am Wörthersee

Was macht einen Forest Therapy Trail besonders?

Ein Forest Therapy Trail ist kein Wanderweg.

Er führt dich nicht möglichst schnell von einem Ort zum nächsten.
Er lädt dich ein, unterwegs zu sein.
Nicht indem er vorgibt, was du erleben sollst.
Sondern indem er dir Möglichkeiten gibt, deine eigenen Erfahrungen zu machen.

Der Wald bringt dafür bereits alles mit.
Es geht nicht darum, etwas hinzuzufügen.
Sondern wahrzunehmen, was schon da ist.
Deshalb beginnt die Entwicklung eines Forest Therapy Trails für mich nicht am Schreibtisch.
Sie beginnt im Wald.

Ich verbringe Zeit mit dem Ort.
Ich gehe langsam.
Ich bleibe stehen.
Ich setze mich.
Oft lege ich mich auch auf den Waldboden.

Ich sehe.
Ich höre.
Ich rieche.
Ich schmecke.
Ich spüre.
Ich lasse den Ort auf mich wirken.
Mit jedem Schritt ein wenig mehr.

Nach und nach beginnt sich eine Wegführung zu zeigen.
Nicht als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten.
Sondern als Weg, der das Leben dieses Ortes sichtbar macht.

Dabei geht es nicht nur um den Wald.
Zu ihm gehören auch seine Pflanzen, Tiere und all jene Menschen, die ihn kennen und pflegen.
Ich höre ihren Geschichten zu.
Ich frage nach ihren Wünschen.
Nach ihren Lieblingsplätzen.
Nach Bereichen, die ihre Ruhe brauchen.
Nach ihrer Vision für diesen Ort.

Erst wenn all das zusammenkommt, beginnt ein Forest Therapy Trail zu entstehen.
Ein Weg, der den Charakter des Waldes achtet.
Die Anliegen der Menschen mitträgt.

Und Besucher dazu einlädt, dem Ort aufmerksam zu begegnen.
Mit Wahrnehmungsübungen, die wir in der Forest Therapy „Einladungen“ nennen.
Sie geben nichts vor.
Sie öffnen Möglichkeiten.
Möglichkeiten, die Natur neu zu erfahren.

Und vielleicht auch dich selbst.

WaldAuszeit-Weg Schiefling am See
Am WaldAuszeit-Weg in Schiefling am See, Foto: Petra Nestelbacher

Die Kunst der Weggestaltung

Ein Forest Therapy Trail überrascht oft gerade durch seine Einfachheit.

Ein Weg.
Ein paar Sitzgelegenheiten.
Einige Einladungen.

Mehr scheint es auf den ersten Blick nicht zu sein.

Doch genau in dieser Einfachheit steckt die eigentliche Kunst.

Hinter jedem zertifizierten Forest Therapy Trail stehen unzählige kleine Entscheidungen.
Jede einzelne dient einem gemeinsamen Ziel: einen Ort zu schaffen, der Menschen dabei unterstützt, den Wald sicher, achtsam und mit allen Sinnen zu erleben.

Deshalb betrachte ich einen Wald gleichzeitig aus verschiedenen Blickwinkeln.

Ich frage mich:
Ist dieser Ort sicher, damit sich Besucher entspannt auf diese Begegnung einlassen können?
Finden sie sich leicht zurecht?
Können möglichst viele Menschen diesen Ort erleben?
Ermöglicht der Weg eine einfache, abwechslungsreiche Naturerfahrung?
Ist das Ökosystem gesund und vielfältig?
Und wird dieser Ort von Menschen getragen, die ihn pflegen und wertschätzen?

Diese Fragen sind aus der Praxis entstanden. Sie spiegeln die Erfahrungen vieler Forest Therapy Guides wider, die Menschen seit Jahren in die Natur begleiten. Sie helfen uns dabei, Orte zu gestalten, an denen Natur nicht inszeniert wird, sondern entdeckt werden kann.

Aus den Antworten entsteht Schritt für Schritt ein Weg.
Nicht irgendein Weg.
Sondern einer, der den Charakter des Ortes sichtbar macht und seine Eigenart bewahrt.

Die Kunst der Einladungen

Zwischen einem Waldweg und einer Naturerfahrung liegt oft nur eines: unsere Aufmerksamkeit.
Genau dabei helfen die Einladungen.

Keine Einladung steht für sich.
Jede einzelne ist Teil einer größeren Erfahrung.

Sie öffnen die Sinne.
Sie lassen den Alltag leiser werden.
Und sie laden dazu ein, ganz im Augenblick anzukommen.

Eine Einladung könnte dann ganz einfach lauten:
„Bleib einen Moment stehen. Sieh dich um. Und entdecke, was sich bewegt.“

Nicht, um etwas richtig zu machen. Nicht, um ein Ziel zu erreichen.
Sondern um wahrzunehmen, was längst da ist.

So wird aus einem Weg Schritt für Schritt eine Naturerfahrung.
Nicht, weil der Wald sich verändert.
Sondern weil du ihm deine Aufmerksamkeit schenkst.

Und wirklich da bist.

WaldAuszeit Weg Schiefling am Wörthersee
Botschaften vom Wald: Walk am Forest Therapy Trail, Foto: Petra Nestelbacher

Warum eine Zertifizierung Mehrwert schafft

Eine ANFT-Zertifizierung ist kein Gütesiegel für einen schönen Wald.

Sie ist ein Qualitätsversprechen für das Besuchererlebnis.

Sie zeigt, dass ein Weg nach anerkannten Standards entwickelt wurde und auf den Erfahrungen vieler Guides weltweit basiert.
Eine Zertifizierung verbindet damit die Besonderheit des Ortes mit dem Wissen eines internationalen Netzwerks.

Sie schafft Vertrauen, macht sorgfältige Entwicklungsarbeit sichtbar und eröffnet Tourismusregionen, Gemeinden und Grundbesitzern neue Möglichkeiten, Natur verantwortungsvoll zugänglich zu machen.

So können gesundheitsfördernde Naturerfahrungen entstehen, die den Charakter eines Ortes bewahren und gleichzeitig langfristige Wertschöpfung für die Region ermöglichen.

Der WaldAuszeit Weg

Er beginnt am Bauernhof.
Zwischen Kräuterbeeten und Landmaschinen.
Katzen.
Ziegen.
Und Menschen, die diesen Ort mit großer Sorgfalt bewirtschaften.

Der WaldAuszeit Weg ist nur möglich, weil diese Menschen bereit sind, ihren Lebens- und Arbeitsraum mit anderen zu teilen.

Vom Hof führt der Weg Schritt für Schritt über die Wiese hinaus in den Wald.
Der Forest Therapy Trail ist knapp einen Kilometer lang und umfasst sieben Stationen mit Einladungen.

Du kannst ihn in deinem eigenen Tempo mit einem Audio-Guide erkunden oder dich von Anita oder mir begleiten lassen.

Er ist Teil eines lebendigen Ortes.
Eines Bauernhofs, an dem Kräuter, Wald und Gesundheit zusammenfinden.
Hier wachsen Heil- und Wildpflanzen.
Hier entstehen Salben, Tees und Räucherwerk.
Hier sind Hände und Sinne gleichermaßen beschäftigt.
Und aus Beobachtungen entstehen neue Ideen.

Der Wald ist dabei nicht Kulisse.
Er ist Arbeitsplatz.
Er ist Treffpunkt und Erfahrungsraum.
Und ein Ort, der immer wieder neu entdeckt werden darf.

Kräuterlei am Wörthersee
Kräuter sammeln am Hof der Kräuterlei am Wörthersee, Foto: Edith Spitzer

Und jetzt?

Vielleicht wirst du beim nächsten Waldspaziergang keinen Forest Therapy Trail besuchen.
Vielleicht gehst du einfach den Weg, den du immer gehst.

Doch vielleicht bleibst du diesmal für einen Moment stehen.
Nicht, weil etwas Besonderes passiert.
Sondern weil du diesem Moment ein wenig Aufmerksamkeit schenken möchtest.
Vielleicht genügt das schon.

Nicht jeder Schritt führt weiter.
Manche führen tiefer.

Barbara Wiegele am Forest Therapy Trail
Autorin Barbara Wiegele am Forest Therapy Trail, Foto: Petra Nestelbacher

Über die Autorin

Barbara Wiegele gestaltet Naturerfahrungen, die Menschen der Natur und sich selbst bewusster begegnen lassen. Als ANFT Forest Therapy Trail Consultant, Naturmentorin und Bergwanderführerin begleitet sie Tourismusregionen, Gemeinden, Unternehmen und Grundbesitzer bei der Entwicklung gesundheitsfördernder Angebote und zertifizierter Forest Therapy Trails. Mehr über Barbara: www.bergbaumblume.at

WaldAuszeit Weg

📍   Ort: Schiefling am Wörthersee
🌿   Länge: ca. 1 Kilometer
⏳   Dauer: 1,5 Stunden selbstgeführt oder 3 Stunden mit Führung
🎧   Audio-Guide oder geführte Tour
📅   Besuch nur nach Voranmeldung
🌐   WaldAuszeit-Webseite

Mehr über den Forest Therapy Trail in Schiefling

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