Goldene APIS 2026: Gold für unser Moor am Wörthersee

Unser Moor in Schiefling am Wörthersee gewann die Goldene APIS 2026. Komm mit hinter die Kulissen und entdecke, was dort neu erwacht.

Gold für unser Moor: Die Kräuterlei gewinnt die Goldene APIS 2026

Schmatzender Boden unter den Gummistiefeln. Der Duft von nassem Laub und frisch gesägtem Holz. Irgendwo surrt eine Seilwinde. So klingt unser Moor in Schiefling am Wörthersee an einem Arbeitstag. Und genau an diese Geräusche habe ich gedacht, als am 22. Oktober 2026 unser Name aufgerufen wurde.

Die Kräuterlei am Wörthersee vulgo Kozian hat bei der Goldenen APIS 2026 den 1. Platz in der Kategorie Landwirtschaftliche Betriebe gewonnen.

Die Goldene APIS ist der Kärntner Biodiversitätspreis der Privatstiftung Kärntner Sparkasse. Ausgezeichnet wurde unser Projekt „Moor-Mosaik-Landschaften in Schiefling am Wörthersee“.
Wir freuen uns riesig. Und ich gebe zu: Ich kann es noch immer kaum fassen.

Kurz zusammengefasst

  • Die Kräuterlei am Wörthersee vulgo Kozian hat am 22. Oktober 2026 die Goldene APIS gewonnen: 1. Platz in der Kategorie Landwirtschaftliche Betriebe.
  • Ausgezeichnet wurde das Projekt „Moor-Mosaik-Landschaften in Schiefling am Wörthersee“ in einem Niedermoor im RAMSAR-Schutzgebiet.
  • Mit Schwenden, freigestelltem Moorgewässer und einer Pilotmähfläche entsteht neuer Lebensraum für Amphibien, Libellen, Bestäuber und Vögel.
  • Bis 2028 folgen Exkursionen, ein Info-Point, Kreativ-Workshops und ein Biodiversitäts-Workbook mit Audioguide.

Mehr als goldene Waben

Für uns ist dieser Preis viel mehr als eine Trophäe. Er ist eine Anerkennung für ein Stück Land, das lange still im Hintergrund lag. Ein Fleckchen Erde, an dem viele im Vorbeigehen kaum hinschauen.
Und er gehört allen, die mit uns im Moor angepackt haben. Allen, die mit nassen Socken Äste geschleppt, Pläne geschmiedet und mitgefiebert haben. Und es auch noch die nächsten Jahre tun werden.

Goldene Waben als Trophäe und Urkunde der Goldenen APIS 2026, Biodiversitätspreis der Kärntner Sparkasse
Mit meinem Papa auf der Bühne: Goldene Waben als Trophäe und Urkunde der Goldenen APIS 2026, Biodiversitätspreis der Kärntner Sparkasse

Ein Moor mit Geschichte

Unser familieneigenes Niedermoor liegt im RAMSAR-Schutzgebiet, also in einem international geschützten Feuchtgebiet.

Früher wurde hier eine Streuwiese gemäht. Jahr für Jahr, Generation für Generation. Und einfach so als Mooswiese bezeichnet.

Streuwiesen wurden traditionell spät im Jahr gemäht, wenn die Halme längst trocken und hart waren. Als Futter taugten sie kaum. Dafür landeten sie als Einstreu in den Ställen.

Ganz nebenbei hielt diese Arbeit die Fläche offen und hell. Ein schönes Beispiel dafür, wie bäuerliche Nutzung und Artenvielfalt einander über Jahrhunderte getragen haben.

Mit der Zeit ist diese Nutzung verloren gegangen. Heute ist das Moor großteils verbuscht und verwaldet. Wo einst Licht auf feuchten Boden fiel, wachsen Sträucher und Bäume.

Mit dem offenen Lebensraum verschwinden leise auch viele Tiere und Pflanzen, die genau darauf angewiesen sind. Niemand bemerkt es sofort. Es wird einfach stiller.

Verbuschtes Niedermoor im RAMSAR-Schutzgebiet in Schiefling am Wörthersee, Projekt für mehr Biodiversität in Kärnten
Verbuschtes Niedermoor im RAMSAR-Schutzgebiet in Schiefling am Wörthersee, Projekt für mehr Biodiversität in Kärnten

Was ist eigentlich ein Niedermoor?

Vielleicht fragst du dich gerade, was ein Niedermoor besonders macht. Ich habe es mir so gemerkt: Ein Niedermoor bekommt sein Wasser von unten und von der Seite, aus Grund- und Quellwasser. Ein Hochmoor lebt dagegen fast nur vom Regen. Deshalb ist ein Niedermoor meist nährstoffreicher und überraschend vielfältig. Seggen, Binsen und Feuchtwiesenblumen fühlen sich hier zu Hause.

Und noch etwas fasziniert mich jedes Mal: Moore speichern in ihren nassen Böden über sehr lange Zeit Kohlenstoff. Sie sind stille Klimaschützer, ganz ohne großes Aufsehen.

Das Wort RAMSAR stammt übrigens von einer Stadt im Iran. Dort wurde 1971 ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten unterzeichnet. Dass unser kleines Moor in Kärnten Teil dieses weltweiten Netzes ist, berührt mich immer wieder.

Team der Kräuterlei am Wörthersee mit der Trophäe der Goldenen APIS 2026 auf der Bühne, Kärntner Biodiversitätspreis
Mein Papa und ich. Da hatten wir noch keine Ahnung. Wer fehlt am Bild? Mein Mann, der arbeiten musste, aber gemeinsam mit meinem Papa die Forstarbeiten rockt

Licht hereinlassen: Was wir im Moor tun

Aufräumen wollen wir das Moor nicht. Wir möchten ihm wieder Raum geben. Dafür setzen wir auf drei Maßnahmen:

  • Mosaikartiges Schwenden: Auf rund 3.000 m², also der Hälfte der Fläche, entfernen wir Gehölze. Fast ausschließlich per Hand. So entsteht ein Mosaik aus offenen und bewachsenen Bereichen.
  • Freistellen des Moorgewässers: Das Wasser bekommt wieder Sonne. Davon profitieren alle, die warme, besonnte Uferzonen brauchen.
  • Eine Pilotmähfläche: Hier knüpfen wir an die alte Streuwiesen-Tradition an und beobachten, wie sich die Fläche entwickelt.

Schwenden ist ein altes Wort aus der Land- und Almwirtschaft. Es beschreibt das Entfernen von Gehölzen, damit Flächen offen bleiben. Bei uns muss das alles händisch passieren. Wir können nicht mit Maschinen auf unsere Fläche.

Und warum ein Mosaik? Weil Vielfalt Übergänge liebt. Ein Strauch, auf dem ein Vogel Ausschau hält. Daneben eine offene Fläche, über der Libellen jagen. Ein paar Schritte weiter feuchter Schatten für Amphibien. Genau dieses Nebeneinander macht ein Moor lebendig. Deshalb gestalten wir unsere Fläche mosaikförmig.

Golden Apis 2026
Golden Apis 2026

Wer (wieder) einziehen darf

Vielleicht rufen im Frühling wieder mehr Grasfrösche. Vielleicht wandern Erdkröten zu ihren Laichplätzen, und der Alpenkammmolch zeigt sich im Wasser. Er zählt zu den streng geschützten Amphibienarten Europas.

Über dem sonnigen Wasser könnten Libellen ihre Bahnen ziehen. Sie brauchen Wärme, um überhaupt abheben zu können. Schmetterlinge, Wildbienen und andere Bestäuber finden Blüten in den offenen Bereichen.

Und dann die Vögel. Der Baumpieper steigt zum Singen in die Luft und segelt wie ein kleiner Fallschirm zurück auf seine Warte. Der Neuntöter spießt seine Beute gern auf Dornen auf, eine Art Vorratskammer im Gebüsch.

Beide brauchen genau das, was wir gerade schaffen: offene Flächen mit einzelnen Sträuchern dazwischen.

Zum ersten Mal: Wer lebt eigentlich im Moor?

So gut wir das Moor auch kennen: Systematisch erfasst wurde hier noch nie, was wächst und lebt.

Das ändert sich jetzt. Erstmals gibt es Artenerhebungen zu Vegetation, Vögeln, Amphibien, Libellen und Bestäubern. Diese Daten zeigen uns, wo wir stehen. Und sie machen sichtbar, was sich durch unsere Arbeit verändert.

Ich gestehe: Auf diese Artenlisten bin ich so neugierig wie früher auf die Geschenke unterm Christbaum.

Ärmel hoch: Ein Tag im Moor

Im Herbst hieß es schon anpacken. Mit Traktor, Seilwinde und Motorsäge ging es ins Moor. Ein Filmteam war auch dabei. Dieser Tag hat gezeigt, wie viel Kraft und Handarbeit in so einem Projekt steckt. Äste schleppen. Stämme ziehen. Im nachgiebigen Boden das Gleichgewicht halten.
Am Abend spürst du jeden Muskel. Und auf der Fläche fällt es kaum auf, was passiert ist.

Der Abend der Preisverleihung

Dann kam der 22. Oktober.

Auf der Bühne durften wir die Trophäe in Form goldener Waben und die Urkunde entgegennehmen. Im Gespräch mit Moderator Marco Ventre konnten wir kurz etwas erzählen. Aber ich war so überrascht vom ersten Platz, dass mir gar nicht viel einfiel. Meinen Papa übrigens auch nicht.

In unserer Kategorie waren außerdem der Bauernhof Gretschitz, der Biohof Schott, Saat & Tat und der Biohof Paulitsch nominiert. Es war schön zu sehen, wie viele Betriebe in Kärnten sich für Biodiversität einsetzen. Jeder auf seine Weise, jeder mit Herz.

Moor, Wald und die Kunst des Langsamwerdens

Vielleicht fragst du dich, was ein Moor mit Waldbaden zu tun hat. Für mich eine ganze Menge.
Im Moor bewegst du dich ohnehin langsam. Du hörst genauer hin. Du riechst die feuchte Erde, spürst, wie der Boden unter dir nachgibt, entdeckst das Glitzern auf einem Libellenflügel.

Genau diese Aufmerksamkeit erlebe ich auch bei Forest Therapy. Wenn wir die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen, beginnen wir sie zu lieben. Und was wir lieben, möchten wir schützen. Das ist mit ein Grund, warum im Moor auch ein ANFT-zertfizierter Sitzplatz entstehen wird. Alles in Abstimmung mit dem Naturschutz.

Wenn du Lust hast, diese Achtsamkeit selbst zu spüren, begleite ich dich gern auf dem Forest Therapy Trail am Wörthersee. Alle Möglichkeiten für deine WaldAuszeit in Kärnten findest du bei den Forest Therapy Terminen 2026.

Auch als Kräuterpädagogin schaue ich seit den ersten Gesprächen mit den Biologen und Naturschützern mit anderen Augen auf feuchte Wiesen. Mädesüß etwa liebt nasse Standorte und verströmt im Sommer seinen honigsüßen Duft. Im Winter habe ich schon Wacholder entdeckt.

Im Moor selbst sammle ich nichts. Hier darf alles wachsen, blühen und sich aussamen.

Wie es weitergeht

Das Projekt läuft von 2026 bis 2028. Geplant sind:

  • Exkursionen ins Moor
  • ein öffentlicher Sitzplatz mit digitalem Info-Point
  • Kreativ-Workshops
  • ein Biodiversitäts-Workbook mit Audioguide

Denn eines ist uns wichtig: „Nur wer die Natur kennt, schützt sie auch.“ Wir möchten, dass möglichst viele Menschen, Junge wie Ältere, das Moor erleben und entdecken können.

Danke!

Ein großes Dankeschön an die Privatstiftung Kärntner Sparkasse für diese Auszeichnung und an Blühendes Österreich. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen.

Und jetzt du?

Falls du Lust hast, die Entwicklung unseres Moors mitzuerleben, trag dich in den Kräuterlei-Newsletter ein. Dort erzähle ich, was die Artenerhebungen zeigen und wann die ersten Exkursionen geplant sind.
Und falls nicht, ist das auch völlig in Ordnung. Vielleicht magst du beim nächsten Spaziergang einfach an einer feuchten Wiese stehen bleiben und lauschen. Manchmal beginnt das Staunen genau dort.

Goldene APIS 2026 auf einen Blick

• Preis: Goldene APIS, Kärntner Biodiversitätspreis der Privatstiftung Kärntner Sparkasse
• Auszeichnung: 1. Platz, Kategorie Landwirtschaftliche Betriebe
• Datum: 22. Oktober 2026
• Projekt: Moor-Mosaik-Landschaften in Schiefling am Wörthersee
• Laufzeit: 2026 bis 2028

Anita Arneitz – Kräuterlei am Wörthersee

Ich bin Anita 🌿

Kräuterpädagogin, Buchautorin & Journalistin am Wörthersee. Hier teile ich Kräuterwissen, Schreibimpulse und Naturerlebnisse – für ein Leben, das sich mehr nach dir anfühlt.

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Danke an Barbara Wiegele für die Fotos! 

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