Kärntner Autorin Eva Brislinger im Porträt: humorvolle Lyrik zum Nachmachen, Schreibimpulse für eigene Gedichte und ein Blick hinter die Kulissen ihres neuen historischen Romans.
Lyrisch und lustig. Zeitgenössische Kärntner Literatur ist vielseitig. Bestes Beispiel ist die Kärntner Autorin Mag. Eva Brislinger. Nach ihrer technisch-wirtschaftlichen Ausbildung und einem Ausflug ins Projektmanagement verschlug es sie in die Werbebranche, in der sie als selbstständige Werbetexterin Fuß fasste. Parallel dazu ist sie seit 2005 als Autorin tätig und schreibt mit Vorliebe Kinder- und Kurzgeschichten sowie gefühlvolle und kurzweilige Gedichte. Mit ihren Texten rund um die Unzulänglichkeiten der Menschheit ist sie auch als DAMENWAHL-Kulturschaffende immer wieder auf den deutschsprachigen Bühnen zu erleben. 2024 wurde sie mit dem Anerkennungspreis des Landes Kärnten für Prosa ausgezeichnet.
Inhalt
Kärntner Lyrik, kreativ anders
Für das Kärntner Literatursackerl stellte sie ausgewählte lyrische Texte zur Verfügung. Zombie, Bonsai und Steinpilz laden zum Spielen mit Worten und Klängen ein.
Zombies I
Hängende Köpfe,
schwankende Gestalten,
leere Blicke im Neonlicht,
Verwesungsgeruch:
23 Uhr,
Linie U6.
Bonsai
Hier stehst du nun
als Schatten deiner selbst,
beschnitten von der Wurzel bis zum Blatt,
in kupferne Fesseln gelegt,
die ihre Klauen in dein Fleisch geschlagen
und deine Form geprägt.
Wohin ist deine Größe? Wohin dein Stolz?
In ein Gefäß gezwängt
von Menschenhand.
Der Steinpilz
Hut, Hut, Hut
Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut
Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut,
Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut
Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut, Hut,
Stamm, Stamm
Stamm, Stamm
Stamm, dicker Stamm
Stamm, dicker Stamm
Stamm, Stamm
Totholz, Buchenblätter, Bucheckern, Moos … Ameise
Infos zum Buch, aus dem die Textbeispiele sind:
Eva Brislinger: Liebe, Tod und Tischgeflüster – Lyrik plus 1 / 2025 MITGIFT Verlag / ISBN 978-3-903095-21-2 / Hartband / 72 Seiten / Format 130 x 165
Von herzergreifend über tieftraurig bis hin zu humorvoll und heiter: Eva Brislingers Lyrik lässt auf der Klaviatur der Emotionen keine Töne aus. Erfrischend überraschende Wortgebilde streicheln die Seele, laden ein zum Genießen, Wohlfühlen und Nachdenken – und manches Mal verursachen sie auch Gänsehaut. Die mit dem Anerkennungspreis des Landes Kärntens für Prosa ausgezeichnete Erzählung „Märzrausch“ gibt es als plus 1 obendrauf.
Schreibimpulse zum Nachdenken und nach machen
Zu „Zombies I“ (Alltagsszene, morbider Humor)
- „Deine Uhrzeit, dein Ort“: Schreibe eine eigene Mini-Strophe nach dem gleichen Muster – Ort + Uhrzeit + drei skurrile Beobachtungen (z. B. „7 Uhr, Bäckerei ums Eck“ oder „Freitagnacht, Klagenfurter Hauptplatz“).
- „Alltagswesen“: Beschreibe eine gewöhnliche Situation (Wartezimmer, Schulbus, Supermarktkassa) so, als wären die Menschen darin Fantasy- oder Horrorfiguren.
Zu „Bonsai“ (Metapher, Formung/Einschränkung)
- „Sprich durch ein Ding“: Wähle einen Gegenstand oder eine Pflanze (Kaktus, Straßenlaterne, Zaun) und schreibe ein kurzes Gedicht, das eigentlich von etwas anderem handelt – Erwartungsdruck, Anpassung, Fernweh.
- „Wohin ist dein …?“: Übernimm die Frageform der letzten Zeilen („Wohin ist deine Größe? Wohin dein Stolz?“) und stelle drei eigene Fragen an ein Objekt deiner Wahl.
Zu „Der Steinpilz“ (Klang-/Wiederholungsgedicht, sehr verspielt)
- „Ein Wort, viele Formen“: Wähle ein Objekt (Baum, Zug, Herz) und schreibe ein Gedicht nur mit einem oder zwei Wörtern, die sich in Länge und Anordnung verändern. Als Klangbild statt Aussage.
- „Sprich wie ein Ding klingt“: Wenn dein Gegenstand ein Geräusch wäre, wie würde er lauten? Schreibe es als Lautgedicht auf (ähnlich „Hut, Hut, Hut…“).
Allgemein:
- „Schreibe deinen eigenen Anfang“: Nimm die erste Zeile eines der Gedichte und führe sie in eine völlig andere Richtung weiter.
- „Bild zum Text“: Zeichne oder fotografiere etwas, das die Stimmung des Gedichts einfängt.
- „Sechs-Wort-Gedicht“: Fasse die Stimmung eines der drei Texte in genau sechs Wörtern zusammen. Das zwingt zu Verdichtung und macht Spaß beim Vergleichen der Ergebnisse.
Beim Schreib-Summit sprach Eva Brislinger über ihr neues Projekt: ein historischer Roman.
Historische Romane schreiben
Historische Romane haben eine ganz besondere Magie: Sie entführen uns in vergangene Epochen, lassen uns am Alltag und den Schicksalen unserer Vorfahren teilhaben und öffnen die Tür in Welten, die wir längst vergessen glaubten. Doch wie gelingt es eigentlich Autorinnen und Autoren, diese Abenteuer zwischen den Seiten so fesselnd und authentisch zu erzählen? Was braucht es wirklich, damit Geschichte nicht nur korrekt, sondern auch lebendig wird? Im Gespräch nehmen wir dich mit auf eine, mitunter lange Schreibreise.
Was ich aus dem Gespräch mit Eva Brislinger mitnehme: Der perfekte historische Roman entsteht immer im Spannungsfeld zwischen Akribie und Leidenschaft, zwischen Fakten und Fantasie. Deine Aufgabe als Autorin oder Autor ist es, diese beiden Welten zu verbinden. Mit Neugierde, Beharrlichkeit und Freude am Erzählen.

Dein Weg in fünf Schritten:
- Recherchiere mit Herz und Verstand: keine Frage ist zu klein, keine Quelle zu ausgefallen.
- Strukturiere deine Arbeit: visualisiere Zeitleisten und Zusammenhänge.
- Gib deinen Charakteren Seele: arbeite mit Biografien, nutze kreative Hilfsmittel wie KI oder Fotomaterial.
- Verknüpfe Historie und Fiktion: setze die Bausteine so, dass Spannung und Glaubwürdigkeit Hand in Hand gehen.
- Bleib motiviert: genieße den Weg und lass dich von Rückschlägen nicht entmutigen.
- Am Ende zählt: Du schreibst nicht nur einen Roman, sondern machst Geschichte lebendig. Deine Leserinnen und Leser werden es dir danken, mit Staunen, Mitfühlen und dem Wunsch, immer weiterzulesen.
Jetzt bist du dran! Hast du schon einmal mit dem Gedanken gespielt, einen historischen Roman zu schreiben? Welche Zeit oder welche Figuren reizen dich besonders? Teile gern deine Erfahrungen und Fragen und entdecke gemeinsam mit mir die Faszination vergangener Zeiten.
Hab keine Angst davor, Geschichte auch mal anders zu erzählen oder kleine Lücken mit Fantasie zu füllen, solange das große Ganze authentisch bleibt. Die beste Fiktion ist immer die, die sich so anfühlt, als hätte sie sich wirklich zugetragen.
Praktische Übung: Formuliere für dich die Frage: Was wäre, wenn…? und spinne von echten historischen Begebenheiten ausgehend deine ganz eigene Handlung. So entstehen originelle Ideen, die trotzdem auf vertrautem Boden wachsen.
Mehr Einblicke ins Literatursackerl
Literatursackerl Kärnten: Autor:innen to go
Ein Projekt von Anita Arneitz, Studio für Schreibkultur. Gefördert vom Land Kärnten, Abteilung Kunst und Kultur.
