Griechischer Bergtee. Grüner Tee. Und jetzt kommen Olivenblätter dazu. Erfahre alles über den Olivenblatt-Tee vom Mittelmeer.
Olivenblatt-Tee. Ganz ehrlich. Ich kenne ihn erst seit zwei Jahren. Damals bekam ich den Auftrag einen Artikel über eine Olivenfarm in Istrien zu schreiben und sprach mit dem Besitzer das erste Mal über Olivenblätter-Tee. Seit dem bin ich fasziniert.
Inhalt
Älter als Apotheken: eine kurze Geschichte
Wer an die Olive denkt, denkt zuerst an das Öl. Dabei ist der Baum selbst, Olea europaea, seit Jahrtausenden eine der wichtigsten Heilpflanzen des Mittelmeerraums. In der Antike galt er als Geschenk der Göttin Athene, im Alten Testament ist er Zeichen des Friedens. Aber er war auch Medizin.
Schon im frühen 19. Jahrhundert wurden zerkleinerte Olivenblätter in Getränken gegen Fieber eingesetzt. Wenige Jahrzehnte später nutzten Ärzte sie als Tee bei Malaria, einem der ersten dokumentierten Einsätze in der westlichen Medizin. In der marokkanischen Volksmedizin wurde Olivenblatt-Aufguss traditionell zur Unterstützung des Blutzuckerspiegels eingesetzt.
In Istrien und entlang der gesamten dalmatinischen Küste, wo die Olivenbäume bis ans Meer reichen und ihre Stämme knorrig wie alte Geschichten wirken, gehörte der Tee aus den Blättern zur Hausapotheke. Die Großmütter kochten ihn, wenn jemand sich unwohl fühlte, und tranken ihn einfach so, weil er schmeckte.
Auch an der türkischen Ägäisküste, in Gegenden wie Edremit, wo die Olivenhaine seit Jahrhunderten gepflegt werden, haben Generationen gewusst, was wir gerade erst (wieder) entdecken: dass der Baum nicht nur seine Früchte, sondern vor allem seine Blätter zu verschenken hat.
Was steckt eigentlich in einem Olivenblatt?
Der Wirkstoff, um den sich vieles dreht, heißt Oleuropein. Ein sekundärer Pflanzenstoff (Polyphenol), der in den Blättern des Olivenbaums in besonders hoher Konzentration vorkommt, bis zu 6–9 Prozent der Trockenmasse. Er ist auch der Grund, warum Olivenblatt-Extrakt seit den frühen 1900er Jahren wissenschaftlich erforscht wird.
Was macht ihn interessant? Er ist ein starkes Antioxidant, also ein Stoff, der sogenannte freie Radikale im Körper binden kann. Daneben enthält das Olivenblatt weitere Polyphenole wie Flavonoide und Oleacein.
Was die Forschung zeigt
- Antioxidantien: Eine australische Untersuchung aus 2007 verglich 55 Heilkräuter. Olivenblatt-Extrakt zeigte dabei die höchste antioxidative Aktivität aller untersuchten Pflanzen, mehr als grüner Tee oder Mariendistel.
- Blutdruck: In einer Crossover-Studie mit 200 mg Oleuropein täglich zeigten sich signifikante Effekte auf systolischen und diastolischen Blutdruck.
- Blutwerte: Eine Studie (2018) beobachtete nach 6 und 12 Wochen regelmäßigem Olivenblatt-Tee-Konsum einen Anstieg von roten Blutkörperchen, Hämoglobin und Hämatokrit im Vergleich zu einer Grüntee-Gruppe.
- Lipidstoffwechsel: Eine Studie mit Prä-Diabetes-Patienten (2019) zeigte positive Effekte auf Fettstoffwechselwerte.
- Wichtige: Viele Studien wurden mit hoch konzentrierten Extrakten oder Kapseln durchgeführt, nicht mit aufgebrühtem Tee. Die Oleuropein-Konzentration in einer Tasse ist deutlich geringer. Gesundheitliche Heilwirkungen sind daher für den Tee nicht belegt. Aber in der Volkskunde überliefert. Ich bin mir sicher, in den nächsten Jahren, wird die Forschung in diesem Bereich noch mehr herausfinden.
Vom Hain in die Tasse
In Handarbeit werden die Blätter gepflückt und im Schatten luftgetrocknet. Dadurch werden die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zerstört. In der Tasse hat der Tee eine grüne Farbe und schmeckt etwas herb. Inzwischen gibt es verschiedene Varianten von Olivenblatt-Tee. Am besten du gießt ihn mit rund 90 Grad heißem Wasser auf und lässt ihn fünf bis sieben Minuten ziehen.
Das Ritual ist die halbe Medizin
Ich glaube, das Wirksamste am Tee trinken ist oft nicht der Tee selbst, sondern die drei Minuten, in denen man nichts tut außer warten. Die Hände um die warme Tasse schließen. Den Dampf riechen. Kurz innehalten. Olivenblatt-Tee lädt dazu geradezu ein. Er ist kein lauter Tee. Er zischt nicht, er überrumpelt dich nicht. Er ist einfach da und dampft so vor sich hin.

FAQ: Olivenblatt-Tee, die häufigsten Fragen
Wie schmeckt Olivenblatt-Tee?
Mild-herb, leicht bitter, mit einer dezenten holzigen Note, ähnlich wie grüner Tee, aber weicher. Er ist nicht aufdringlich. Wer ihn zum ersten Mal trinkt, ist oft überrascht, wie angenehm zurückhaltend er ist. Mit einem Spritzer Zitrone oder einem Teelöffel Honig wird er noch runder.
Wie wird Olivenblatt-Tee zubereitet?
1 TL (ca. 2 g) Olivenblätter in eine Tasse geben. Wasser auf 90–100 °C erhitzen und darübergießen. 5–7 Minuten ziehen lassen, nicht kürzer, damit sich die Aromen vollständig entfalten. Wer es kräftiger mag, lässt ihn länger ziehen. Tipp: Im Sommer als Kaltaufguss über Nacht im Kühlschrank ist er ein herrlicher Eistee.
Wie viele Tassen am Tag sind sinnvoll?
Die meisten Menschen trinken 1–3 Tassen täglich. Es gibt keine allgemeine Empfehlung — hör einfach in dich hinein. Wer Medikamente nimmt (besonders blutdrucksenkende Mittel), sollte vorher kurz Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt halten, da Oleuropein den Blutdruck beeinflussen kann.
Enthält Olivenblatt-Tee Koffein?
Nein, gar keins. Er ist von Natur aus koffeinfrei und damit auch für den Abend bestens geeignet oder für alle, die auf Koffein verzichten möchten oder müssen.
Ist Olivenblatt-Tee dasselbe wie Olivenblatt-Extrakt?
Nein, und dieser Unterschied ist wichtig. Extrakte und Kapseln enthalten stark konzentrierte Wirkstoffe, oft das 10- bis 20-fache im Vergleich zu aufgebrühtem Tee. Die meisten Studien wurden mit Extrakten durchgeführt, nicht mit Tee. Das heißt: Olivenblatt-Tee ist ein wohltuendes, geschmackvolles Getränk mit interessanten Pflanzenstoffen, aber kein Heilmittel und kein Ersatz für Medikamente.
Woher kommt guter Olivenblatt-Tee?
Das Wichtigste ist die Verarbeitung: Blätter, die im Schatten schonend getrocknet werden (statt in der prallen Sonne oder maschinell), behalten mehr Pflanzenstoffe und eine sattere, grüne Farbe. Herkunft und Anbau ohne Pestizide spielen ebenfalls eine Rolle. Qualität sieht man oft schon an der Farbe der Blätter.
Kann ich Olivenblatt-Tee auch kalt trinken?
Unbedingt! Als Kaltaufguss über Nacht im Kühlschrank wird er besonders mild und bekömmlich. Mit einem Eiswürfel, einem Zweig frischer Minze und einem Spritzer Zitrone, das ist Mittelmeer im Glas, auch wenn man gerade in einem Büro in Wien oder München sitzt.
Ist Olivenblatt-Tee für Kinder geeignet?
Dazu gibt es keine gesicherten Studien für Kinder unter 12 Jahren. Im Zweifelsfall lieber kurz die Kinderärztin oder den Kinderarzt fragen.
Wo kann ich Olivenblatt-Tee kaufen?
Wenn du in Istrien bist, empfehle ich dir einen Besuch auf dieser Olivenöl-Farm. Wenn du gerne guten Olivenblatt-Tee für zu Hause kaufen möchtest, schau mal bei Ölich vorbei, auch ein Familienbetrieb. Jetzt gibt es dort auch ein Community Paket. Darin sind 3 Tees + 1 vierter Tee, welchen du dir kostenlos auswählen darfst, sowie ein Gratis Edelstahlsieb + kostenfreier Versand!
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Fotos: AI